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Der Park Jingshau

bubble Tipp von Katrin (14) 21.02.08

Am 29.9.04 war es sehr warm, ein dichter Smognebel hingt in der Luft.Das Frühstück in der Jugendherberge war in Ordnung. Es gab drei Toasts für jeden, mit Erdbeerkonfitüre und einem Ei, sowie schwarzen Tee. Nicht besonders schmackhaft, jedoch europäisch und somit eine willkommene Abwechslung.
Danach unternahmen wir eine Wanderung durch ein Altbaugebiet, das aus einfachen und ärmlichen Gebäuden besteht, die Menschen sind hier aber mit dem zufrieden, was sie haben. Als wir dieses Gebiet verließen war die Freude groß, denn der Blick fiel direkt auf ein Mcdonald’s, in dem laut Alexander (unserem Reisefüherer) immer Westerntoilets gab. Also rannten fast alle auf Toilette, ob sie nun in Wirklichkeit das Bedürfnis hatten oder nicht, spielte kaum eine Rolle. Einfach nur mal wieder auf einer „richtigen“ Toilette zu sitzen, so wie zu Hause, das empfanden viele als Erlebnis, denn sonst sind in China die Toiletten einfach nur in den Boden eingelassene Keramikbecken.
Später ließ sich Herr Schmidt-Ihnen (einer unserer Beiden Schulleiter) für umgerechnet zwei Euro (ein Chinese hätte sicher höchstens ein Viertel zu zahlen gehabt) mit einer „Rikscha“, einem Fahrrad mit bequemen Sitz hinten, durch die Gegend fahren und hatte dabei seinen Spaß. Später saßen wir mit einem amerikanisch-chinesischen Freund von Alex, mit dem wir uns vorher trafen, in einem guten, am sog. Hohei-See gelegenen, chinesischen Restaurant und genossen Köstlichkeiten wie Pekingente.
Nach der Mittagsmahlzeit gingen wir in den „Jingshau“, einen Park in dessen Zentrum sich ein künstlich angelegter Hügel mit drei kleinen Buddhatempeln befand, von denen man auf die Verbotene Stadt blicken konnte. Zwar war die Sicht durch den Smog ziemlich schlecht, jedoch entstand so auch ein sehr mystisches Flair, da sich die Stadt auf geheimnisvoll Weise im Nebel verlor.
Schließlich machten wir uns auf, zu einer nahegelegenen Shoppingstraße. Herr Schmidt-Ihnen verspürte nicht das Verlangen nach einem Fußmarsch, sodass er am Eingang das Parks auf uns wartete. Da wir die Shops aber erst nach ca. 30 Minuten erreichten und der Rückweg natürlich noch vor uns lag, blieb gerade noch Zeit für den Besuch von genau zwei Geschäften, in denen jedoch niemand etwas kaufte. Wir kehrten um, liefen zu Herr Schmidt-Ihnen zurück und besuchten den Park erneut. Wie einige Stunden zuvor erstiegen wir den höchsten Punkt des Hügels, auf dem der größere der drei Tempel stand. Inzwischen war es dunkel geworden und wir konnten wieder auf die Verbotene Stadt blicken, die nun erleuchtet war und wirklich atemberaubend schön aussah. Nun verließen wir den Park endgültig und gönnten uns an einem kleinen Stand einen abendlichen Imbiss (sog. Ratsticks > Rattenspieße).
Auf dem Weg zum Hohei-See, an dem wir heute zu Mittag aßen, kamen wir an einer Gruppe von Straßenmasseuren vorbei, Judith (eine andere Reisebegleiterin) und – natürlich – Herr Schmidt-Ihnen konnten nicht widerstehen und ließen sich von den geübten und kräftigen Händen bearbeiten. Als sie zur Kasse gebeten wurden, ließ sich der Schulleiter übers Ohr hauen und bezahlte, statt wie vereinbart zwei, fünf Euro. Die Masseure haben sich sicher gefreut.
Mit zwei nun besonders entspannten Organisatoren suchten wir am See einen Bootsverleih auf und teilten unsere Gruppe auf mehrere Elektroboote auf, mit denen wir eine Stunde auf dem von einem Lichtermeer (ringsum war alles hell erleuchtet) umgebenen See herumtuckerten. Die auf dem Wasser schwimmenden Kerzen vervollständigten die romantische Atmosphäre. Als die Stunde vorüber war, ging es nach Hause.
Wir waren über 14 Stunden nahezu ununterbrochen auf den Beinen, ein anstrengender und aufregender Tag ging zu Ende, an dem wir sehr viel gesehen haben. Ein wahres Highlight war dabei zweifelsfrei die Verbotene Stadt bei Nacht. Erschreckend hingegen war die bedrückende Armut, die für uns immer deutlicher wurde. Alle paar Meter trifft man auf bettelnde Kinder oder Leute, die irgendeinen Ramsch verkaufen. Zum Beispiel wollte mir eine Frau eine rote Drachenfigur andrehen und verlangte dafür 200 Yuan (20 Euro). Ich ging weiter, ohne ihr viel Beachtung zu schenken. Sie folgte mir und war nach wenigen Sekunden mit dem Preis auf 30 Yuan (3 Euro) herunter gegangen, ohne das ich etwas dazugetan hätte. Aufrund der minderwertigen Qualität lehnte ich trotzdem ab.
Zur Erhöhung des Stressfaktors trugen die wieder überfüllten Busse deutlich bei. Außerdem scheint Hupen und Klingeln beim Verkehr sowohl für Auto-, als auch für Fahrradfahrer zum guten Ton zu gehören, da sie dies unentwegt tun, auch wenn es keinen ersichtlichen Grund gibt. Mit den Verkehrsregeln wird es auch nicht so genau genommen, genauer gesagt scheint es überhaupt keine zu geben. Ob an einer stark befahrenen Kreuzung die Ampel auf rot steht interessiert oft weder Auto- oder Radfahrer, noch Fußgänger. Die Straße wird frei nach dem Motto „Der Größte und Stärkste gewinnt“ überquert. Die Chinesen scheinen das Spiel aber auch gern nach der Regel „Der Lauteste gewinnt“ zu spielen.

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